Neu im Theresienheim Saarbrücken: "Intensivpädagogische Kindergruppe" für Kinder mit besonderem Förderbedarf
11. Mai 2010
Kleinere Gruppe und mehr Personal ermöglichen bessere Einzelförderung
Michael (Name geändert) ist sechs Jahre alt. Es fällt ihm schwer, sich auf etwas zu konzentrieren, auch beim Spielen wirkt er ständig abgelenkt. Läuft etwas nicht nach seinem Sinn, beginnt er laut zu schimpfen, wird aggressiv. Ärzte diagnostizierten bei ihm die Aufmerksamkeitsstörung ADHS, eine Störung des Sozialverhaltens und der emotionalen Entwicklung. Seit zwei Wochen lebt Michael in der neuen „Intensivpädagogischen Kindergruppe“, die im Theresienheim, Zentrum für heilpädagogische Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, einer Einrichtung der cts – Schwestern v. Hl. Geist gGmbH, für Kinder mit besonderem Förderbedarf geschaffen wurde.
Insgesamt sechs Kinder im Alter von fünf bis 12 Jahren können in der Gruppe aufgenommen werden – drei weniger als in den regulären Wohngruppen des Theresienheims. „Kinder wie Michael wären in einer größeren Gruppe überfordert“, weiß Andreas Reichert, Diplom-Heilpädagoge und Bereichsleiter der Intensivpädagogischen Kindergruppe. In den letzten Jahren hätten sich die Anfragen für Kinder gehäuft, die aufgrund ihrer Auffälligkeiten im herkömmlichen Rahmen nicht adäquat betreut werden könnten, berichtet Reichert.
Mit der Intensivpädagogischen Kindergruppe werde man den besonderen Bedürfnissen dieser Kinder gerecht. Dazu wurde bei dem neuen Angebot nicht nur die Gruppengröße reduziert, sondern zugleich auch das Personal verstärkt. So wurde für die Gruppe eine zusätzliche Planstelle für eine Heilpädagogin geschaffen. Darüber hinaus gibt es einen Psychologischen Dienst und eine Zusammenarbeit mit einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie als konsiliarärztlicher Dienst.
„Durch die heilpädagogische Entwicklungsförderung ist es möglich, individuell auf jedes einzelne Kind einzugehen und es beispielsweise durch Spielförderung, Entspannungs-übungen und schulische Förderung zu unterstützen“, erklärt Andreas Reichert.
Die Einzelförderung der Kinder nach einem individuellen Erziehungsplan beinhalte unter anderem das Einüben von Regeln und die Strukturierung des Alltags. Dabei basiere die Arbeit auf einer „annehmenden Grundhaltung“, die es den Kindern ermöglicht, Vertrauen aufzubauen und Bindungen einzugehen. Bei Michael führt die neue Lebenssituation bereits zu ersten kleinen Verbesserungen. „Er schläft schneller ein, wird nachts nur noch ein Mal wach“, erzählt Reichert. Für ein Kind, das zuvor massive Einschlafprobleme hatte und im Dunkeln unter Angstzuständen litt, eine enorme Entwicklung.
Untergebracht ist die Intensivpädagogische Kindergruppe in komplett neu gestalteten Räumen im Nachbarhaus des Theresienheims.
Für einen reibungslosen Start auf fachlicher Ebene sorgte im Vorfeld der Gruppengründung ein zweitägiges Teamcoaching, bei dem sich die Mitarbeiter der Intensivpädagogischen Kindergruppe auf ihre neue Aufgabe vorbereiteten. Dabei wurden Erwartungen abgeglichen, Konzeption und Arbeitsfelder vorgestellt, über das Rollenverständnis der Mitarbeiter ge-sprochen und ein Maßnahmenplan für die ersten Tage erstellt.
Aufgrund der hohen Nachfrage durch die saarländischen Jugendämter, wird die Gruppe bald vollständig belegt sein.


