Fit werden für den Alltag mit Kind
Das Theresienheim bietet seit Kurzem ambulante Hilfen für allein erziehende Mütter an
„Mama basteln“, sagt das kleine Mädchen mit den Locken und schaut seine Mutter auffordernd an. Die Mama – sie wirkt fast selbst noch wie ein Kind –betrachtet den vorgedruckten Bogen und entscheidet sich, mit ihrer Tochter eine Eule zu basteln. Nach und nach füllt sich der Raum im Obergeschoss des Saarbrücker Theresienheims mit jungen Müttern und ihren Kindern. Ein ganz kleines Baby im Kinderwagen wird wach und fängt an zu jammern. „ Darf ich füttern?“, fragt eine andere Mutter, die ein Kopftuch trägt, und greift nach dem Fläschchen. „Ich muss mich langsam wieder daran gewöhnen, ich bin im dritten Monat schwanger“, fügt sie an und lacht.
Seit November 2005 bietet das Theresienheim in Saarbrücken-Burbach Hilfen für allein erziehende Mütter und Väter an, die mindestens ein Kind unter sechs Jahren versorgen. Bislang kam es noch nicht zur Aufnahme eines alleinerziehenden Vaters.
Mutter und Kind leben gemeinsam in einer Wohnung, für die das Theresienheim das Hausrecht hat und die Hausordnung stellt. „Bei Alleinerziehenden, die nicht mehr klarkommen, kann diese Hilfe verhindern, dass das Kind von seiner Mutter getrennt werden muss“, erklärt Sozialpädagogin Kornelia Becker, Bereichsleiterin im Fachbereich „Ambulante Hilfen“ des Theresienheims.
Entsprechend intensiv werden die Mütter und ihre Kinder betreut – täglich, jeweils von zwei MitarbeiterInnen des Theresienheims. „Oft geht es darum, den Müttern ganz alltägliche Dinge zu vermitteln. Wie füttere, bade und wasche ich mein Baby? Was soll mein Baby essen und wie oft? Wie erziehe ich mein Kind am besten?“ Die MitarbeiterInnen begleiten beispielsweise Arzttermine und Behördengänge und helfen den Müttern, das Leben mit ihren Kindern in den Griff zu bekommen. „Diese Frauen haben oft niemanden, den sie fragen können. Sie wollen gute Mütter sein, Ihnen fehlen aber Erfahrungswerte, die sie selbst zu Hause nicht machen konnten.“
Zum Angebot des Theresienheims zählt auch der Mutter-Kind-Treff, bei dem sich die Mütter einmal in der Woche treffen, um gemeinsam zu malen, zu kochen oder eben zu basteln. „Bei schönem Wetter gehen wir auch gerne spazieren oder machen einen Ausflug“, erzählt Dagmar Jakob-Schulte, die die Frauen an diesem Nachmittag gemeinsam mit ihrer Kollegin Gertrud Ziegler betreut. Das Ziel: Soziale Kontakte herzustellen und ein Netzwerk zwischen den jungen Müttern zu stiften, damit sie sich auch mal gegenseitig fragen oder unterstützen können. Sie möchten fit werden für den Alltag mit Kind – dazu gehört auch ihre eigene berufliche Laufbahn. Damit die Mütter zum Beispiel einen Schulabschluss nachholen oder sich weiterbilden können, besteht die Möglichkeit die Kinder in der Kindertagesstätte des Theresienheimes anzumelden“, sagt Kornelia Becker. „Sie können zum Beispiel auch hier im Theresienheim ein Praktikum im hauswirtschaftlichen Bereich absolvieren. Damit bekommt der Tag wieder eine Struktur und eine Herausforderung - das ist sehr wichtig für das persönliche Selbstbewusstsein.“
Die Kosten für die Hilfe trägt das Jugendamt. Von den HilfeempfängerInnen wird Bereitschaft zur Mitarbeit und Veränderung erwartet
Der Umgang mit Geld ist ein schwieriges Thema. Viele sind bereits in jungen Jahren hoch verschuldet und haben Schwierigkeiten bei der Einteilung ihres Geldes. Zu den Arbeitsansätzen der Hilfe gehört es daher, dass die Gelder der Familien von den MiarbeiterInnen der Ambulanten Hilfe verwaltet werden und gelernt wird, ein Haushaltsbuch zu führen.
Bei der täglichen Arbeit mit teilweise einschneidenden Eingriffen in die Lebensautonomie bleiben Konflikte natürlich nicht aus – doch die positiven Seiten der Hilfe überwiegen bei Weitem. Entscheidend ist die Tatsache, dass die Mütter nach und nach wieder fit werden für die Herausforderungen des täglichen Lebens mit ihren Kindern.


